Interviews
Daniel Dahm, 38, wohnt in einer Wohnung
Aktivist, Berater, Wissenschaftler
in einem Wort:
zeitgemäß
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Ja. Es ist die zweite Konferenz innerhalb kurzer Zeit zum Thema kollektive Intelligenz - und eine dritte kommt, die ich selbst veranstalte. Bei allen Konferenzen geht es um die Aktivierung von zivilgesellschaftlichen Potenzialen im Bereich der Vernetzung von kreativer und kooperativer Intelligenz. Das ist eine Art Meilenstein. Es ist nicht diese Konferenz alleine, aber im Geleit mit dieser Konferenz sind eben in diesem Jahr einige Meilensteine gesetzt worden, besonders in Deutschland, und die sind interessanterweise unabhängig voneinander gesetzt worden. Insofern symbolisiert diese Konferenz was.
Wie wird das Thema bei Dir weitergehen?
Ich lade ein zu einem informellen Meeting Ende Oktober. Dort treffen sich 20 der größten Netzwerkorganisatoren der Welt im Kloster Hude in Westfalen, um zu überlegen, was man für Instrumente installieren müsste, um diese Prozesse von kollektiver Intelligenz in eine Art zivilgesellschaftliche Schnittstelle einzubinden. Es geht darum, eine kooperative Integration herzustellen.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Kollektive Intelligenz ist für mich erstmal die Fähigkeit, die Vielfalt des Denkens und die Vielfalt sozialer und kultureller Mileus und Ideenwelten und die große Unterschiedlichkeit von Erfahrung miteinander zu vernetzen und miteinander in etwas zu bringen, was ich reflexive Korrespondenz nenne.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Ohne das Abwerten zu wollen: Ich bin darüber hinweg. Momente, in denen ich mich getrennt fühle, habe ich seit vielen Jahren nicht mehr, das habe ich eigentlich noch nie gehabt. Die spirituelle Voraussetzung einer Allverbundenheit, eines Transzendierens zwischen den Bedeutungen, die wir der Welt geben und einer Kultur der Vielfalt, das ist letzten Endes Status quo, da gehe ich einfach von aus. Für mich ist der nächste Schritt interessant: Was folgt daraus?
Was interessiert Dich am Thema?
Kollektive Intelligenz ist deshalb wichtig, weil ich die Vielfalt der lokalen und regionalen Bedingungen in eine neue Konstellation bringen kann, sich neue Allianzen bilden können und wir die Vielfalt der Welt und die Vielfalt der Kulturformen besser organisieren können, als wenn wir sagen, wir organisieren Deutschland am Deutschen Michel. Stattdessen organisieren wir eine Region über die Vielfalt der lokalen Akteure.
David, 26, lebt in einem Mehrgenerationenhaus
freier Journalist
in einem Wort:
Kraft
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Ich habe am dritten Tisch im WorldCafe Christian reden hören, der Großgruppen in Organisationsentwicklungsprozessen moderiert, und hatte auf einmal ein ziemlich starkes Bild davon, was ich machen will: Mit Gruppen unterschiedlicher Menschen arbeiten, Brücken in Spannungsfelder bauen und einen Sinn für die wesentlichen Qualitäten des Kollektivseins einbringen: Zuhören, Schauen, Dynamiken sehen, Frieden stiften, Energiefelder aufbauen, Synergie ermöglichen. Spannend ist für mich, dass das mehr eine Annäherung an etwas Bestehendes ist, als ein Finden des Neuen. Ich fühle mich in der Idee zuhause, wie lange verreist. Koinzidenzanekdote: Mein erstes WordCafe, vor zwei Monaten in Würzburg, endete damit, dass ich am dritten Tisch Dirk kennengelernt habe, der ebenfalls Großgruppen anleitet.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Kollektive Intelligenz ist für mich das Dritte, das entsteht, wenn Menschen sich ganz in einen Prozess hineingeben: Das Dritte in einem wachen Gespräch, die spürbare Basis in einer eingetunten Gruppe. Diese Energie, die dann frei wird, macht den Prozess leicht, kraftvoll, verbindend, kreativ und unplanbar. Eine sehr spannende Sache.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Was mir als erstes kommt, ist Disziplin. Disziplin als der Wille, Süchte und Substitutionen zu lassen und einfach da zu bleiben. Was mir auch noch oft hilft: Meditation, Gottesdienstbesuche, gute Filme, Freunde anrufen, in einer fremden Stadt durch die Straßen gehen, den Kontrast von Kunstlicht und Naturlicht betrachten.
Was interessiert Dich am Thema?
Mir ist diese Tage wieder klarer geworden, wo wir als Weltgemeinschaft grade stehen: Der Nordpol war dieses Jahr erstmals eisfrei, das Klima geht so rapide bergab, dass es sogar die Boulevardmedien berichten. Die Preise für Treibstoff werden knapp und wir nähern uns dem Peak-Oil, das erzeugt eine wachsende Nahrungsmittelknappheit, weil das Geld beim Treibstoffbudget ist. Es gibt zunehmend viele Kriege auf der Welt und das Geldsystem scheint sich aus laienökonomischer Sicht einer heiklen Gegenfinanzierungslücke zu nähern. Ergo: Die Haltung „Mir geht es doch gut“ wird nicht mehr lange funktionieren. Die Konsequenzen der Blindheit gegenüber Auswirkungen der eigenen Entscheidungen werden existenzieller und spürbarer.
Ich sehe das Bewusstsein grade als den wichtigen Schlüssel: Neben der versachlichenden, lokalisierenden Rationalität muss eine Wachheit für die Konsequenzen und die Wurzeln des eigenen Tuns entwickelt werden. In Anbetracht der Medienpräsenz, die katastrophale Nachrichten in den nächsten Jahrzehnten haben könnten, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Botschaft ankommt.
Francois Wiesmann, 49, lebt im Zegg
Kommunikationstraining, Gemeinschaft, transparente Kommunikation, kollektive Intelligenz
in einem Wort:
Vernetzung
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Ich glaube, dass sich etwas verändert, aber ich habe das Gefühl, dass ich das erst danach sehe. Ein vages Bild, das ich jetzt habe: Ich würde gern Think Tanks organisieren, die sich damit beschäftigen, wie man die drängenden Menschheitsfragen angehen könnte - Peak Oil, die Ernährungskrise, solche Dinge, wo es in großen Systemen klemmt. Darauf hätte ich Lust: Auf Dinge, die man praktisch und konkret, aber auf größerer Ebene machen kann.
Was hast Du mit der Konferenz gewollt?
Was mich ursprünglich motiviert hat, war: Die Erfahrungen, die ich in Gemeinschaft gemacht habe, teilweise starke Erfahrungen, die eben diesen Anklang von kollektiver Intelligenz hatten. Es ging mir darum, Menschen zusammenzurufen, die aus ganz verschiedenen beruflichen Umgebungen kommen und die auf ihre Art Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben. Ich wollte eine größere Vernetzung, eine nächsthöhere Ebene von Zusammenkunft finden, die eben mehr Kreise und verschiedenartigere Menschen einbezieht, um mit denen dann wieder an einen Punkt zu kommen, an dem man diese einheitliche Ausrichtung und Kreativität findet. Das ist nach meinem Empfinden auch ein Stück weit gelungen. Oder sagen wir: Wir haben einen Anfang dafür gemacht.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Für mich heißt kollektive Intelligenz auf der Ebene von Menschen, dass sich Menschen in einer bestimmten Weise zusammentun: Mit einem gemeinsamen Anliegen und die dieses Anliegen durch ihre Art der Kommunikation und des Zusammenseins so gestalten, dass daraus etwas entsteht, das keiner von den Einzelnen vorher konnte oder vielleicht sogar keiner vorher wusste. Es hat einen unbekannten Faktor, den Faktor einer Kreativität, zu der keiner alleine in der Lage gewesen wäre. Deshalb ist das für mich so interessant, mit diesem Modell an Menschheitsfragen heranzugehen.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Ich habe schon ein paar Methoden. Und ich habe keine, die immer funktioniert. Für mich ist Meditation immer wieder so etwas, Sitzmeditation. Dann gibt es aber auch Sachen, die mir gut tun, die aber nicht methodisch auf diese spirituelle Verbindung ausgelegt sind, obwohl sie das häufig ermöglichen: Theatralischer Ausdruck zum Beispiel. Machmal auch sportliche Aktivitäten oder gute Gespräche. Was ich durch Thomas Hübl wieder stark entdeckt habe sind die Einfühlungen, die man sich gegenseitig gibt - Readings - durch die einer den anderen befähigt, die verschlossenen Punkte in sich zu öffnen.
Was interessiert Dich am Thema?
Ich glaube, dass wir zur Zeit auf der Welt viele Fragen haben, die auch die besten Experten nicht beantworten können, weil sie zu komplex sind für einen einzelnen Menschen. Über diese Fragen können im Prinzip nur komplexe Systeme, also Gruppen von verschiedenartigen zusammengeschlossenen Menschen komplex genug nachdenken, dass sie das Ganze erfassen können und nicht nur einen Ausschnitt der Wahrheit.
Evelyn Otte, 49, lebt in der ZEGG Gemeinschaft
Die Konferenz in einem Wort?
Herz-erweiternd.
Hat die Konferenz etwas für dich verändert?
Ja. Ich achte mehr darauf, wie weit ich bereit bin, Menschen an mich heran zu lassen. Ich lasse sie näher kommen. Ich habe mehr Lust, mich über meine Gemeinschaft hinaus mit anderen Menschen zu vernetzen.
Was ist kollektive Intelligenz für dich?
KI ist für mich ein sehr komplexer Vorgang in Gruppen von Menschen. Es braucht eine Absicht und die Bereitschaft, sich auf das Ergebnis einzulassen, welches entsteht (ein ganz bestimmtes Ergebnis zu fokussieren ist hinderlich). Was dann entsteht ist of ein Mehr an Kreativität, eine Lösung/Ergebnis, welches vorher nicht vorstellbar war, Kraft, Freude, öffnung und befähigung bei den einzelnen Teilnehmern.
Wie wird das Thema bei dir weitergehen?
In den Gruppen und Events, die ich leite, werde ich daran weiterforschen, wie KI entsteht und was ich als Leitung tun kann oder lassen muss, um diesen Vorgang zu unterstützen.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
In Gruppen: innehalten, Zweierkontakte. Es wollen und darauf fokussieren. Und für mich selbst: Natur, Meditation, Sport und Bewegung, Freude-Lachen-Spaß, körperliche Berührung.
Was interessiert dich am Thema?
Ich glaube, dass es eine zeitgemäße Art ist, in Gruppen und größeren Systemen zusammen zu arbeiten. Es ist einer der anstehenden Quantensprünge, in diese Art von wahrnehmender gemeinsamer Verständigung einzutreten. Mich interessiert die Anstrengungslosigkeit, die Kreativität und die Freude, die darin liegt.
Markus Stegfellner, 45, wohnt allein in einer Wohnung
Unternehmensberater
in einem Wort:
Neuland
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Sie hat mich bestätigt, dass kollektive Intelligenz ein Thema ist. Ich komme aus dem Wirtschaftskontext und werde da sicher weiter dran arbeiten.
Wie geht Dein Leben weiter, was kollektive Intelligenz angeht?
Ich arbeite schon mit Großgruppenkonferenzen, Worldcafe habe ich selbst schon praktiziert. Ich merke aber auch, dass diese tiefere Form der Kommunikation in Unternehmen Widerstände auslöst. Diese Konferenz ermutigt mich schon, da weiter dran zu arbeiten.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Zu vertrauen, dass die Ideen und die Lösungsansätze da sind und durch eine andere Art zu kommunizieren an die Oberfläche gebracht werden können.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Sich berühren lassen. Sich auf den anderen einlassen. Schauen: Wer ist da überhaupt, bevor man die vorgefertigten Denkschablonen abspult.
Was interessiert Dich am Thema?
Mich interessiert, wie diese Ansätze im Unternehmenskontext wirksam werden können.
Anke Mrosla, lebt in Gemeinschaft
Die Konferenz in einem Wort
Hoffnungsvolle Verbundenheit
Hat die Konferenz etwas für dich verändert?
Sie hat in mir den Willen geschärft, mit meiner Arbeit und meinem Leben einen Beitrag zu leisten für die Entstehung der 5ten Welt. Die fünfte Welt wird nach dem Verständnis der Prophezeiungen der Mayas die Welt der Kommunikation sein, in der Verständigung von Herz zu Herz das Miteinander der Menschen bestimmt und trägt.
Was bedeutet für dich kollektive Intelligenz?
Die Verschmelzung der Werte, Kräfte und Intelligenz einzelner Individuen zu einem nicht gleichgeschalteten, sondern auf höherer Ebene autonomen Wir, das in der Lage ist mit größerer Komplexität als die Einzelwesen, Wirklichkeit zu erleben und daraus produktive Schlüsse und Handlungen zu generieren
Wie wird das Thema bei dir weiter gehen?
Ich suche und erlebe mehr Vernetzung und werde selbst radikaler in meinen Entscheidungen. Dazu nutze ich die verschiedensten Wege meiner eigenen Ausbildung und gebe weiter, was ich schon gelernt habe. Ich pflege eine ITP, über die ich mich mit anderen immer wieder auseinander setze.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Für mich geschieht das über die sozialen Kontakte, die ich mit den Menschen im Fläming habe und dabei insbesondere Flämingwochenenden oder Treffen mit der Assistenzgruppe (von Thomas Hübl), sowie die Pflege einer integralen Lebenspraxis.
Was interessiert dich am Thema?
Am meisten interessiert und inspiriert mich die Möglichkeit, mein individuell beschränktes Bewusstsein zu erweitern und Wissen und Erkenntnis über mein persönliches Vermögen und die Interessen meines Egos hinaus zu entwickeln. Ich betrachte kollektive Intelligenz als einen notwendigen Schritt unserer kollektiven Menschwerdung.
Michael Anderau, 37, wohnt im Zegg
Grafikdesigner
in einem Wort:
erweiternd
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Ich habe es sehr genossen, dass es ganz praktisch erfahrbar wurde, was kollektive Intelligenz ist. Dass man mal ganz sachlich auf Dinge schaut, die eigentlich nicht naturwissenschaftlich sind. Diese Sachlichkeit war neu für mich und sehr inspirierend.
Wie geht Dein Leben weiter, was kollektive Intelligenz angeht?
Ich habe es heute morgen beim WorldCafe gemerkt: Wenn ich denke, wie ein anderer Mensch sein soll, dann verhindere ich, dass die kollektive Intelligenz wirksam wird. Da werde ich in Zukunft versuchen, das Ganz sachlicher zu sehen. Und wenn irgend etwas nicht so passiert, wie ich es gern hätte, werde ich versuchen, genau darauf zu schauen, woran das liegt.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Wenn in einem sozialen Kontext plötzlich eine neue Richtung entsteht, die keiner konkret in Erwägung gezogen hat und doch haben alle den Eindruck, am Erschaffen dem Neuen beteiligt zu sein - durch Nichtstun und die Offenheit, dass etwas Unbekanntes kommen kann.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Anhalten. Egal was Du tust: Einfach stoppen und warten. Es ist wie bei einem Glas Wasser, in dem der ganze Schlick schwimmt. Wenn man einfach innehält und wartet, setzt sich der Dreck ab und es wird einiges wieder klarer.
Was interessiert Dich am Thema?
Gruppen interessieren mich, sowieso. Und Gruppen, die an diese Kraft angeschlossen sind, sind oft sehr effektiv, ohne viel Kraft zu brauchen. Auch die eigenen Themen, die in der Arbeit mit Gruppen auftauchen, lösen sich leichter, wenn man verbunden ist.
Shapumba Shapumba, 28, wohnt in einer eigenen Wohnung in Windhoek, Namibia
macht eine Ausbildung zum Waldorflehrer
die Konferenz in einem Wort:
bewegend
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Als Scilla grade gesprochen hat, ist etwas bei mir passiert. Ich musste weinen und hatte den Eindruck: Jetzt hast Du es wirklich verstanden, was mit kollektiver Intelligenz gemeint ist. Jetzt bist Du verbunden mit der Erde. Da konnte ich auch nicht mehr weitersingen. Dachte nur: Ah, darum geht´s. Ich war richtig bewegt, innerlich. Das Kollektive hat sozusagen direkt mit mir gesprochen. Ich merke auch, dass etwas passiert: Die letzten sechs Monate war ich wirklich desinteressiert am Thema Politik. Dachte: Wenn wirklich etwas passiert, dann hörst Du das schon. Und jetzt habe ich wieder so einen Drang, ich will wissen, was los ist in der Welt. Und ich will wissen: Was kann ich tun? Es wird wieder Zeit, sich da wieder anzuschließen.
Wie geht Dein Leben weiter, was kollektive Intelligenz angeht?
Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Das wird alles noch kommen. Spätestens, wenn ich wieder im Flugzeug sitze, wenn ich das alles so Revue passieren lasse. Ich bin auch ohne Erwartungen gekommen. Bin eingeladen worden und ich dachte: Komm, guck Dir das an. Es hat mich berührt, es hat etwas in mir bewirkt und ich bin gespannt, was jetzt daraus wird. Auf jeden Fall will ich jetzt etwas tun.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Kollektive Intelligenz, das ist das, was man Gott nennt. Was Tao genannt wird. Was die Liebe ist. Was die Natur ist. Was das Leben ist. Das ist das Kollektive, das ist kollektive Intelligenz. Und wenn Du dieser kollektiven Intelligenz vertrauen kannst, dann wirst Du immer, immer das richtige tun, fühlen, denken, sagen. Das wird immer so sein. Ein Beispiel: Vorhin gab es die Situation, dass ich auf die Bühne wollte. Ich dachte dann darüber nach, was ich sagen könnte. Das war der Mensch von vorher: Der nachdenkt. Und andererseits wusste ich: Du kannst jetzt einfach hochgehen und etwas sagen und das wird das Richtige sein. Es wird auch gut klingen. Vor allem aber wird es genau das sein, was grade anliegt. Man kann das Kollektive einfach durch sich sprechen lassen.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Da habe ich etwas ganz Witziges: Man kommt ja oft in so eine Situation, wo man viel zu tun hat, viel Stress hat. Du merkst: Du bist jetzt richtig in diesem materiellen Leben drin und verlierst den Kontakt, drehst Dich nur in Kreisen, spielst immer wieder das Gleiche ab. Wenn mir das passiert, dann sage ich meinem Unterbewussten ganz direkt: „Hey, ich habe da etwas für Dich. Kannst Du da mal draufschauen? Ich hätte gern die Lösung. Also bitte kein Problem mehr, sondern nur die Lösung.“ Mein Unterbewusstsein ist symbolisch im Magen. Also ziehe ich das Problem vom Kopf in den Magen, damit es verdaut wird. Das hat auch den Vorteil, dass ich dann ganz hier sein kann. Und irgendwann kommt es wieder hoch und ich schaue es an und denke: Oh, das ist noch das Problem, das ist noch die Videokassette auf Wiederholung. Und dann schicke es das wieder zurück und bitte nochmal um die Lösung. Fakt ist: Die Lösung kommt. Das Unterbewusstsein sagt dann irgendwann: „Ich hab da was für Dich, wie wäre es damit.“ Und dann nimmt man sich Zeit, um darüber nachzudenken und das zu verstehen. Während der ganzen Zeit ist das Problem nicht weg. Aber fünf Minuten bist Du ganz da. Oder zwei Minuten. Und das ist doch schon Einiges.
Was interessiert Dich am Thema?
Kollektive Intelligenz ist das Leben. Und es geht nur darum, diesem Leben zu vertrauen. Ganz da zu sein. Ich merke oft: Ich bin grade in Gedanken. Ich bin an einem Platz, der sein könnte. Die Relevanz besteht also darin, lebendig zu sein. Hier zu sein. Präsent zu sein. Einfach zu tun. Einfach zu beobachten. Das klingt wie ein Ideal, aber wenn Du das wirklich tust, ist es ganz wunderbar.
Thorsten Seidler, 28, wohnt in einer Leipziger Wohnung, ab Ende des Jahres in Gemeinschaft
Nachhilfelehrer für Mathematik, baut ein Kino für spirituelle Filme mit auf und arbeitet an der Gemeinschaftsgründung
die Konferenz in einem Wort:
multidimensional
Hat die Konferenz etwas für Dich verändert?
Ich bin angefüllt. Ich spüre, das da etwas brodelt. Wir starten grade selbst in Leipzig ein Gemeinschaftsprojekt und was für mich passiert, ist: Wirklich zu sehen, dass dieser Impuls ein evolutionärer Impuls ist, der alles durchdringt und der auch für mich spürbar geworden ist. Das erfüllt mich mit Kraft für meine Vision, weil ich spüre, dass das Ganze von etwas Größerem getragen ist. Das ist für mich etwas ganz Wichtiges, weil ich dann in einen Raum von Demut komme, der mich trägt.
Wie geht Dein Leben weiter, was kollektive Intelligenz angeht?
Wir waren mit sechs Leuten aus meiner Gemeinschaft hier und ich merke, dass ich viel aus diesen Tagen mitnehme. Da ich in meinem Herz eine Veränderung spüre, da ich mehr umfangen kann an neuen Sichtweisen, an Gefühlsräumen, werde ich natürlich nicht mehr derselbe sein und das auch in meine Gemeinschaft bringen. Ich fühle mich da sehr bestärkt, die Dinge, die wir eigentlich schon sehen, auch konkret umzusetzen.
Was ist kollektive Intelligenz für Dich?
Ganz besonders durch das WorldCafe heute ist ein Gefühl von Verbundenheit, von Einheit entstanden, das ich vorher kaum im Kontakt mit Menschen kannte. Und das Besondere war, dass ich dachte: Das ist jetzt nicht nur ein Gefühl, sondern da passiert was. Da wird Geschichte geschrieben.
Welche Wege gibt es, den Kontakt wieder herzustellen?
Das ist bei mir ganz eindeutig die Natur. In die Natur gehen, am besten ein paar Stunden, und mich auf den Boden legen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie in der Natur doch alles enthalten ist und wie ausgleichend sie auf alle innere Unruhe in mir wirkt.
Was interessiert Dich am Thema?
Ein Punkt, der für mich neu ist: Dass ich die Wichtigkeit davon erkannt habe, im Austausch zu sein mit der Gesellschaft. Also im wahrsten Sinne ein Biotop zu sein, im Austausch zu bleiben, sonst wird das, was man aufbaut, instabil. Konkret habe ich jetzt wieder großes Interesse an Vernetzung mit anderen Gemeinschaften und spirituellen Gruppen.
